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Observability

OpenTelemetry für KI-Systeme: LLM-Traces und Agenten-Spans als neue Observability-Praxis

19 Juni, 2026 13 Ansichten 4 Minuten lesen

OpenTelemetry entwickelt sich zum Standard für die Instrumentierung von KI-Systemen. Wie LLM-Calls, Agenten-Workflows und Prompt-Latenz sinnvoll als Traces und Spans erfasst werden.

Datenvisualisierung auf einem Computermonitor mit grafischen Kurven, Metriken und Zahlenwerten. Bildquelle: Pexels.
Datenvisualisierung auf einem Computermonitor mit grafischen Kurven, Metriken und Zahlenwerten. Bildquelle: Pexels.

OpenTelemetry hat sich in den vergangenen Jahren als De-facto-Standard für die Instrumentierung verteilter Systeme etabliert. Wer Microservices, Serverless-Funktionen oder komplexe API-Chains betreibt, nutzt OTel für Traces, Metriken und Logs – und sendet diese an Backends wie Grafana Tempo, Jaeger, Honeycomb oder Elastic APM.

Doch mit der raschen Verbreitung von LLM-basierten Anwendungen entsteht ein neues Instrumentierungsproblem: Wie misst man ein System, dessen wichtigste Operationen nicht mehr klassische Funktionsaufrufe sind, sondern Sprachmodell-Anfragen mit variablen Eingaben, nicht-deterministischen Ausgaben und komplexen Agenten-Workflows? OpenTelemetry gibt darauf inzwischen strukturierte Antworten – und ein wachsendes Ökosystem macht die Umsetzung zunehmend praktisch.

Datenvisualisierung auf einem Computermonitor mit grafischen Kurven, Metriken und Zahlenwerten
Metriken und Traces bilden die Grundlage für aussagekräftige KI-Observability. Bildquelle: Pexels.

Warum klassische APM-Konzepte bei LLMs nicht ausreichen

Ein klassischer HTTP-Request hat eine klare Struktur: Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe, Latenz, Fehlercode. Für ein LLM-basiertes System ist das deutlich komplexer. Ein einziger User-Prompt kann mehrere Modell-Aufrufe auslösen, Tool-Calls triggern, externe APIs ansprechen, Retrieval-Operationen über eine Vektordatenbank durchführen und schließlich eine strukturierte oder unstrukturierte Antwort zurückliefern. Jeder dieser Schritte hat eigene Latenzkennzahlen, eigene Fehlertypen und eigene Kostenimplikationen.

Hinzu kommt die Tokens-Dimension: Anders als Bytes bei klassischen Requests sind Tokens bei LLMs die eigentliche Kostengröße. Ein Trace, der nicht erfasst, wie viele Input- und Output-Tokens pro Aufruf verbraucht wurden, liefert ein unvollständiges Bild und macht eine sinnvolle Kostensteuerung unmöglich.

OpenTelemetry Semantic Conventions für LLMs

Die OpenTelemetry-Community hat begonnen, semantische Konventionen speziell für KI- und LLM-Systeme zu definieren. Diese Konventionen sind noch in der Experimental-Phase, aber bereits praxistauglich und werden aktiv von den wichtigsten Instrumentierungsbibliotheken umgesetzt. Sie definieren, welche Attribute ein Span tragen soll, wenn er einen LLM-Aufruf repräsentiert:

  • gen_ai.system – der verwendete KI-Anbieter (z. B. openai, anthropic, google_vertex_ai)
  • gen_ai.request.model – das angeforderte Modell
  • gen_ai.response.model – das tatsächlich verwendete Modell (kann abweichen)
  • gen_ai.usage.input_tokens / gen_ai.usage.output_tokens – Token-Verbrauch
  • gen_ai.operation.name – Art der Operation (chat, text_completion, embeddings)
  • gen_ai.request.temperature – verwendete Temperatureinstellung

Diese standardisierten Attribute erlauben es, LLM-Calls systemübergreifend vergleichbar zu machen – unabhängig davon, ob das System GPT-4o, Claude oder ein lokal gehostetes Open-Source-Modell verwendet.

Agenten-Traces: Mehrschichtige Workflows sichtbar machen

Für einfache LLM-Calls reicht ein einzelner Span. Für Agenten-Workflows – also Systeme, die mehrere Tool-Calls, Retrieval-Schritte, Sub-Agenten und Entscheidungsschleifen enthalten – braucht es verschachtelte Spans. OpenTelemetry bietet dafür die Standard-Mechanik: Parent-Spans mit Child-Spans, die den Gesamtworkflow sauber abbilden.

Ein typischer Agenten-Trace in einem modernen KI-System könnte so aussehen:

  • Root Span: agent.run – Gesamtworkflow, enthält alle Kind-Spans
  • Child Span: llm.call – initiale Anfrage an das Sprachmodell
  • Child Span: tool.call.search – Vektordatenbankabfrage für Kontext-Retrieval
  • Child Span: tool.call.api – externer API-Call zur Datenbeschaffung
  • Child Span: llm.call – abschließende Synthese der gesammelten Informationen

Diese Struktur macht es möglich, auf einen Blick zu sehen, wo ein langsamer Agentendurchlauf tatsächlich Zeit verliert: Liegt es am Modell-Aufruf selbst, an der Vektordatenbankabfrage oder am externen API-Timeout? Ohne diese Transparenz sind KI-Systeme in der Produktion kaum reproduzierbar zu optimieren.

Praktische Implementierung: Einstieg mit Bibliotheken

Für Teams, die OpenTelemetry für LLM-Systeme einführen wollen, gibt es inzwischen gute Einstiegspunkte. Bibliotheken wie OpenLLMetry (Traceloop), OpenInference (Arize AI) und das offizielle OTel-SDK bieten Auto-Instrumentierung für die gängigen LLM-Frameworks (LangChain, LlamaIndex, Autogen, CrewAI, das Anthropic SDK). Der typische Setup-Aufwand liegt bei unter einem Arbeitstag für ein funktionierendes Basis-Setup.

Die grundlegenden Schritte:

  1. OTel-SDK initialisieren mit einem OTLP-Exporter, der auf das gewünschte Backend zeigt (Grafana Tempo, Honeycomb, Jaeger etc.)
  2. Auto-Instrumentierung aktivieren – LangChain-Traces werden dann automatisch mit korrekten Gen-AI-Attributen versehen
  3. Custom Spans für eigene Logik – Bereiche ohne automatische Instrumentierung (eigene Retrieval-Logik, Caching-Layer, Business-Logik) manuell mit Spans versehen
  4. Token-Metriken aggregieren – monatliche Kosten können direkt aus den aggregierten Trace-Daten abgeleitet werden, ohne Umweg über Billing-APIs

Was man messen sollte – und was nicht

Nicht jede Metrik ist gleich wertvoll. Die wichtigsten Key Performance Indicators für LLM-Systeme in der Produktion sind:

  • Time to First Token (TTFT) – besonders relevant für Streaming-Anwendungen und interaktive Assistenten
  • Total-Latenz pro Agenten-Run – Gesamtdauer eines vollständigen Agenten-Workflows
  • Token-Effizienz – Output-Tokens im Verhältnis zu Input-Tokens als indirekter Qualitätsindikator
  • Error Rate – Rate fehlgeschlagener LLM-Calls, Tool-Call-Fehler, Timeouts und Rate-Limit-Treffer
  • Kosten pro Anfrage – aus Token-Verbrauch direkt kalkulierbar, ermöglicht frühzeitige Budgetprognosen

Was man nicht unkritisch in Produktionstraces speichern sollte: die vollständigen Prompt-Texte und Modellantworten als Raw-Data. Das ist ein Datenschutzproblem und in regulierten Umgebungen oft unzulässig. Stattdessen: Prompt-Template-IDs, Variablenkeys und Antwortklassifizierungen – keine sensiblen Rohdaten.

Observability für KI-Systeme bei FreshCore-Umgebungen

Für Teams, die KI-gestützte Automatisierungen betreiben, ergibt sich eine natürliche Integration: Wenn ein KI-Agent auf Monitoring-Signale reagiert – zum Beispiel einen Heartbeat-Ausfall analysiert und einen Runbook-Schritt ausführt – sollte dieser Agenten-Lauf als Trace erfasst werden. So entsteht ein vollständiges Bild: vom ursprünglichen Monitoring-Alarm über die Agenten-Entscheidung bis zur ausgeführten Aktion und dem Ergebnis.

Diese Ende-zu-Ende-Sichtbarkeit ist der Unterschied zwischen einem KI-System, das man versteht, und einem, dem man vertrauen muss. Für produktive Umgebungen ist nur ersteres akzeptabel.

Fazit: Observability für KI ist keine Kür

KI-Systeme in der Produktion zu betreiben ohne Observability-Daten ist wie ein Flugzeug ohne Instrumentenpanel zu fliegen: Es funktioniert, bis etwas schiefgeht. OpenTelemetry liefert das gemeinsame Framework, um LLM-Calls, Agenten-Workflows und Tool-Integrationen mit denselben Werkzeugen zu beobachten, die Teams bereits für klassische Backend-Systeme einsetzen.

Der Mehrwert liegt dabei nicht nur in der Fehleranalyse, sondern auch in der Kostensteuerung und der kontinuierlichen Qualitätsverbesserung. Wer weiß, welche Agenten-Pfade am häufigsten genutzt werden und welche am meisten kosten, kann gezielt optimieren – und damit aus KI-Experimenten echte, produktionsreife Systeme machen.

Quellen: OpenTelemetry Semantic Conventions for Generative AI (opentelemetry.io), OpenLLMetry by Traceloop (GitHub), Arize AI OpenInference Specification, CNCF Observability TAG Whitepaper.

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